Sicherheit auf See

Jahr für Jahr geraten deutsche Angler in Norwegen in Seenot, in seltenen Fällen leider sogar mit tödlichem Ausgang. Der Sicherheitsaspekt spielt für viele Angler fälschlicherweise nur eine untergeordnete Rolle, obwohl jedem klar sein sollte, dass das Angeln im Atlantik mit Gefahren verbunden sein kann.
Das A und O für ein sicheres Angeln ist die richtige Vorbereitung und Ausrüstung. Niemandem bringt es etwas, sich auf der Jagd nach dem 15 kg Dorsch in tödliche Gefahr zu begeben. Insbesondere als Bootsführer trägt man eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Mitfahrern.

Diese kleine Checkliste soll an die wichtigsten Kriterien für die Sicherheit auf See in Norwegen erinnern:

  • Telefonnummer vom Vermieter und der Seenotrettung speichern! In einer Notfallsituation muss man sofort in der Lage sein, mit wenigen Tastendrücken eine geeignete Hilfe anzufordern.
  • Wasserfeste Schutzhülle fürs Handy! Wenn man über Bord geht, muss natürlich auch das Handy noch funktionieren um Hilfe holen zu können.
  • Akku aufladen! Denkt bitte dran, dass man oft stundenlang mit dem Boot auf dem Wasser ist. In einer Notfallsituation nützt auch das beste Handy nur etwas, wenn es vorher ausreichend aufgeladen wurde.
  • Navigationssystem! Viele Boote in Norwegen sind immer noch ohne Kartenplotter mit Seekarten ausgestattet, was sich im Notfall als sehr ungünstig erweisen kann. Norwegische Gewässer sind bekannt für aus dem Nichts auftauchende Nebelwände in denen man schnell die Orientierung verliert. Ein Navi hilft den Weg zurück in den Heimathafen zu finden.
  • Echolot! Es zeigt nicht nur Fischschwärme an sondern auch die Wassertiefe. Insbesondere für sehr schärenreiches Gebiet ist auf ein Echolot keinesfalls zu verzichten.
  • Signalrakete! Wenn das Angelboot bereits ein gutes Stück abgetrieben ist und auch das Handy keine Hilfe verspricht, kann man mit Hilfe einer Signalrakete auf sich aufmerksam machen.
  • Voller Tank! Vor jeder Ausfahrt sollte der Inhalt des Tanks überprüft und gegebenenfalls aufgefüllt werden. Sprecht vorher mit Eurem Vermieter ab, wer diese Aufgabe erledigt.
  • Leiter mitführen! Sollte ein Mann über Bord gehen, muss dieser schnellstmöglich wieder an Bord gebracht werden, bevor die Person im kalten Wasser des Atlantiks erfriert. Es ist unheimlich schwer bis unmöglich einen kräftigen Mann wieder an Bord zu hieven. Daher empfiehlt es sich unbedingt eine Art Klappleiter zum Einhängen über der Reeling oder zumindest Strickleiter mit sich zu führen. Leider sind unverständlicherweise bislang kaum Boote mit Leitern ausgestattet, so dass man sich hier selbst drum kümmern muss.
  • Schwimmwesten-Pflicht! In Norwegen muss eine Schwimmweste jederzeit mitgeführt werden. Sie muss zwar nicht getragen werden, aber es empfiehlt sich dennoch. Schaut Euch zu dieser Thematik einfach einheimische Bootsfahrer an, in 99% der Fälle haben diese auch bei spiegelglatter See und Sonnenschein entsprechende Schwimmwesten angelegt.
  • Floating Anzug anziehen! Bei rauer See und weiten Ausfahrten sollte man unbedingt Floater zur eigenen Sicherheit tragen. Diese Anzüge sorgen für Auftrieb und Wärme und sorgen so für eine Verlängerung der Lebensdauer (wir reden hier von einigen Minuten). Floating Anzüge sind meist in sehr auffälligen Farben erhältlich wie knallrot, gelb oder blau mit Reflektoren. Es empfiehlt sich unbedingt auf Floater mit Kälteschutz-Zertifizierung zurückzugreifen. Diese sorgen für eine weitere deutliche Erhöhung der Lebenszeit im Wasser, was letztlich den Ausschlag über Tod und Überleben geben kann.
  • Seekarte studieren! Analysiert unbedingt das Angelgewässer in der Umgebung. Achtet insbesondere auf Untiefen. Dies ist besonders wichtig, wenn es Euer erster Aufenthalt in diesem Gebiet sein sollte.
  • Wetterbericht anschauen! Das Wetter in Norwegen kann sich völlig unerwartet innerhalb weniger Minuten ändern. Es ist sehr wichtig, dass man sich vor jeder Ausfahrt den aktuellen Wetterbericht einholt.
  • Weite Ausfahrten beim Vermieter anmelden! Solltet Ihr weite Ausfahrten planen, dazu noch bei eventuell unklarer Wetterlage, müsst Ihr euch unbedingt vorher das „OK“ vom Vermieter einholen.
  • Angelt nur in Sichtkontakt mit anderen Booten! Ein Motor kann immer mal ausfallen und dann sollte nach Möglichkeit schnelle Hilfe vor Ort sein. Das gilt nicht nur für Euch selbst, sondern haltet selbst auch Ausschau ob ein Nachbarboot möglicherweise Hilfe benötigt.
  • Keinen Alkohol trinken! Dies gilt nicht nur für den Bootsführer sondern auch für die Mitangler. Unter Alkoholeinfluss kann man schnell die Kontrolle verlieren und Gefahren werden leichter unterschätzt.
  • Pinkeln in Kanister! Auch bei glatter See sollte man niemals direkt über die Reeling pinkeln. Es kommt nicht von ungefähr, dass die meisten tot geborgenen Angler mit offenem Hosenstall geborgen werden.