Angelrollen

AngelrollenbildDie Angelrolle ist eine der Hauptbestandteile des Angelsetups. Auf dem Markt präsentiert sich eine Vielzahl verschiedener Rollenvarianten, die gerade für Einsteiger häufig überfordernd wirken. In diesem Artikel werden deshalb die gängigsten und beliebtesten Rollentypen erläutert sowie zusätzliche Informationen was Umgang und Pflege angeht bereitgestellt. Auf diese Weise soll ein wenig Licht ins Dunkle gebracht und dem ein oder anderen Anfänger ein paar zentrale Kriterien erklärt werden.

Grundsätzliche Erläuterungen: Angelrollen Wissen

Wie bereits erwähnt finden sich am Markt verschiedene Modelle und Ausführungen von Angelrollen die alle bestimmte Vor-und Nachteile aufweisen und je nach Angelvariante verbreitet sind. Grundsätzlich sind jedoch die folgenden Daten einer Angelrolle, unabhängig von ihrem jeweiligen Modell von Interesse.

Schnurfassung: Wie der Name schon sagt, geht es hier letztlich um die maximale Größe des Schnurdepots. Angegeben wird diese meist mit den beiden Einheiten:  Schnurlänge in Meter (m) in Verbindung mit der Schnurstärke in Millimeter (mm).

Bsp.:  0,08mm – 100m ; 0,19mm – 540m

Es gilt im Allgemeinen, je dicker die Schnur desto weniger Schnur passt auf die Rolle und umgekehrt. Je nach Angelvariante, Gewässer und Zielfisch sollte der Angler also ein adäquates Setup aus Rolle mit jeweiliger Schnur wählen.

Übersetzung:  Ein ebenfalls grundlegender Wert den es zu verstehen gilt ist das Übersetzungsverhältnis der jeweiligen Rolle. Damit ist letztlich das Verhältnis gemeint, in dem sich durch eine Kurbeldrehung jeweils die Spule dreht. Die Angabe der Übersetzung einer Rolle erklärt sich wie folgt:

Der erste Wert gibt die Kurbeldrehung an, der Wert nach dem Doppelpunkt gibt die Spulendrehung an.

Bsp.:  4:1 (Bei 4 Kurbelumdrehungen mach die Spule 1 Umdrehung)

Die Übersetzung bestimmt also letzten Endes die Einholgeschwindigkeit der Schnur durch die Rolle.

Anzahl der Kugellager: Gibt Aufschluss darüber wie viele Kugellager in der Rolle verbaut sind. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Wettkampf unter den Rollenherstellern entstanden wer mehr Kugellager in seinen Rollen anbietet. Je mehr Kugellager, desto geringer ansich die Reibung, was wiederum die Haltbarkeit der Rolle verlängern soll.

Generell gilt jedoch wie so oft auch hier, dass Qualität vor Quantität geht. So sind gute Angelrollen mit 4 Kugellagern einer schlechter verarbeiteten Rolle mit 8 Kugellagern stets vorzuziehen. Die bloße Anzahl der Kugellager sagt also letztlich nicht viel über die Qualität einer Angelrolle aus und Angelveteranen und Profis nutzen bis heute vermehrt Rollen mit 3-4 Lagern.

Gewicht: Das Gewicht einer Angelrolle ist ebenfalls ein zentrales Kennzeichen das es zu beachten gilt. Gerade für Angelvarianten wie das Spinnen in denen die Angel sehr viel und über längere Zeit geführt wird, ist es wichtig ein möglichst gut ausbalanciertes Verhältnis zwischen Rute und Rolle zu erreichen. Eine Faustregel lässt sich nicht formulieren. Wie immer gilt es je nach Angelvariante das richtige Setup zu wählen.

Schnureinzug: Der Schnureinzug bezeichnet die mittlere Länge der Schnur die bei einer Kurbelumdrehung eingezogen wird.  Dieser Wert ist neben der Übersetzung auch stark anhängig vom jeweiligen Spulenkern und wird in der Einheit Zentimeter (cm) angegeben.

Bsp.: 68cm (68 Zentimeter Schnur werden durch eine Kurbeldrehung eingezogen)

Das soll als grundlegendes Wissen über die Basis-Kenndaten einer Angelrolle zunächst genügen. Selbstverständlich gibt es noch andere Werte die bei der Wahl der richtigen Angelrolle beachtet werden sollten. Insbesondere die jeweilig verwendeten Materialien, von Aluminium bis Magnesium können eine entscheidende Rolle spielen was Haltbarkeit und Funktionsweise der Angelrolle angeht. Da die obig genannten Kenndaten jedoch unabhängig von Rollenvariante entscheidend sind, war es zunächst nötig diese als Basis-Wissen zu manifestieren.

Reinigung, Pflege und Wartung:

Um möglichst viel und vor allem lang Freude an seiner Angelrolle zu haben, ist es unabhängig vom Rollentyp wichtig sorgsam mit dem Gerät umzugehen. Folgende Ratschläge können die Lebensdauer erheblich erhöhen:

  1. Regelmäßiges Reinigen der Rolle: Es empfiehlt sich nach jedem größeren Angelausflug die Rolle gründlich von äußerlichem Schmutz zu befreien und mit Tuch und Bürste so gut es geht auch die Rillen und Winkel der Rolle zu reinigen. Abschließend unter fließendem Wasser abspülen (insbesondere bei Salzwasser-Angelrollen sehr wichtig!).
  2. Sehr viel Arbeit aber auf lange Sicht lohnenswert: Alle 2-3 Monate bei wöchentlicher Angeltour, die Angelrolle sorgfältig auseinanderbauen und die inneren Teile zunächst reinigen. Abschließend die beweglichen Bauteile ölen. Diese Vorgehensweise verlängert die Lebensdauer der Angel erheblich!
  3. Einmal jährlich ist das Getriebe der Angelrolle mit Rollenfett zu pflegen.

Beachtet man die oberen drei Punkte hat man weniger Ärger mit seinen Angelrollen und es wird einem mit einem längeren Angelvergnügen gedankt.

Im folgenden Abschnitt wird nun auf die gängigsten Rollenvarianten eingegangen. Dabei werden die jeweilig wichtigen Charakteristika der verbreitetsten Rollentypen herausgehoben und genauer beleuchtet.

Stationärrolle:

Bild einer Stationärrolle

Die Stationärrolle ist wohl insbesondere unter deutschen Anglern die beliebteste Rollenvariante weshalb sie in diesem Text auch die detaillierteste Betrachtung finden wird. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre vielseitigen Einsatzgebiete aus und eignet sich sowohl für das einfache Grund- und Posenangeln, als auch für anspruchsvolles Spinnangeln oder Pilken und wird gleichermaßen für süße und salzige Gewässer genutzt. Je nach Angelvariante, Gewässer und Zielfisch existiert sie in unterschiedlichen Größen und Materialien. Ein paar Merkmale die es als Einsteiger zu kennen gilt werden im Folgenden kurz benannt und erläutert.

Neben den bereits obig erläuterten Basisdaten wie Anzahl der Kugellager und Schnureinzug weisen Stationärrollen verschiedene Charakteristika auf:

Spule: Bereits hier offenbart sich ein großer Vorteil den Stationärrollen gegenüber anderen Rollenvarianten aufweisen. Dieser liegt in der leichten Austauschbarkeit der Spule. So ist es möglich mittels Klickmechanismus die Spule durch eine andere auszutauschen. Führt der Angler mehrere Spulen die unterschiedliche Schnüre aufgezogen haben in seinem Angelzubehör mit sich, kann er auf diese Weise schnell und einfach einen Schnurwechsel vornehmen.  Kauft man eine Stationärrolle ist meist direkt eine Ersatzspule direkt mit dabei. Selbstverständlich lassen sich noch zusätzliche Ersatzspulen nachkaufen. Durch diese Austauschbarkeit ist der Angler also nicht nur variabler, er spart zusätzlich auch noch Geld, da er nicht direkt eine komplette zweite Angelrolle benötigt um mit zwei verschiedenen Schnurstärken angeln zu können.

Bremse: Bei der Stationärrolle unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Bremssysteme:

  1. Heckbremse: Ist häufig bei günstigeren Modellen verbaut. Grundsätzlicher Vorteil einer Heckbremse ist ihre leichte Bedienbarkeit. Insbesondere während des Drills kann sie sehr gut mit der Hand erreicht werden und bietet so auch in stressigen Situationen die nötige Sicherheit. Nachteilig ist jedoch ihre meist hohe Anfälligkeit gegenüber äußeren Einwirkungen wie Wasser und Schmutz. So kommt es gelegentlich dazu das die Scheiben der Heckbremse die auf die Rollenachse wirken verschmutzt nichtmehr richtig greifen und sich schnell abnutzen.
  2. Frontbremse: Die Frontbremse zeichnet sich besonders durch ihre sehr feine Justierbarkeit aus. So lässt sich die Bremsstärke wesentlich sensibler während des Drills einstellen. Hinzu kommt das Frontbremsen häufig wasserdicht und somit nicht so anfällig gegen äußere Einwirkungen wie Schmutz oder Wasser sind. Im Allgemeinen kommen Frontbremsen häufig bei qualitativ hochwertigeren Rollen zum Einsatz und sind deshalb auch selbst meist besser verarbeitet als Heckbremsen.

Schnurfangbügel: Ein weiteres Charakteristikum der Stationärrolle ist der Schnurfangbügel. Dieser lässt sich öffnen und schließen. Im geschlossenen Zustand sorgt er dafür, dass die Schnur sich anständig auf die Spule aufzieht. Um Drall zu vermeiden verfügt er meist über ein sogenanntes Schnurlaufröllchen das eine saubere Schnurwicklung ermöglicht.
Für das Auswerfen der Schnur, bzw. des Köders klappt man den Schnurfangbügel auf. So gibt die Rolle ungehindert Schnur frei.  Befindet sich der Köder dann im Wasser, klappt man den Bügel dann wieder ein.

Freilauf: Über einen Schalter lassen sich vor allem Rollen mit Frontbremse in den sogenannten Freilauf stellen. Dies hat zur Folge, dass die Bremse komplett gelöst wird und sich die Schnur ungehindert von der Spule abwickelt. Insbesondere bei m Angeln auf vorsichtige Zielfische wie Zander ist eine Angelrolle mit Freilauf ein sehr nützliches Equipment. Möchte man das die Bremse wieder greift, brauch man lediglich die Kurbel betätigen und schon ist die Bremswirkung wieder aktiviert.

Rücklaufsperre: Die Rücklaufsperre blockiert Spule und Kurbel exakt an der Stelle an der sie sich gerade befinden. Auf diese Weise wird keine Schnur mehr freigegeben.

Neben den oben genannten Merkmalen weist die Stationärrolle selbstverständlich noch viele weitere Spezifika auf. Diese allerdings allesamt aufzuzählen und zu erläutern würde den hiesigen Rahmen bei weitem Sprengen. Die bis zu diesem Abschnitt behandelten Informationen liefern allerdings schon einen ganz guten Einblick und sollen deshalb zur Grundlagenschaffung  erst mal genügen. Im nächsten Abschnitt wird die Multirolle Betrachtung finden.

Multirolle:

Bild einer Multirolle

Die Multirolle ist insbesondere in ihrem Herkunftsland den USA sehr beliebt, gewinnt allerdings auch nach und nach in Europa und Deutschland zunehmend Marktanteile. Allgemein wird die Multirolle viel zum Angeln in besonders tiefen Gewässern genutzt. Gerade für das Hochseeangeln bspw. in Norwegen, zum Schleppen und Pilken ist die Multirolle oft erste Wahl, kommt  allerdings mittlerweile sogar in kleineren Ausführungen beim filigranen Spinnfischen in süßen Gewässern zum Einsatz.

Ihre robuste und widerstandsfähige Konstruktion macht sie zu einem sicheren Begleiter auf jeder Angeltour und eine Wartung ist nur sehr selten von Nöten.  Durch ihre besondere Bauweise mit direkter Schnurverlegung kommt es nur sehr selten zu Schnurverdrallungen was ein klarer Vorteil gegenüber der  Stationärrolle ist. Nachteile sind vor allem beim Auswerfen des Köders zu finden. Da bei der Multirolle die Schnur nicht frei von der Spule wie bei einer Stationärrolle läuft, sondern sich die Achse stets mit dreht, erreicht man nicht die gleiche Wurfweite.

Fortgeschrittene Angler steuern und regulieren ihren Wurf in der Regel mit ihrem Daumen. Auf diese Weise lassen sich mit etwas Übung sehr genaue Zielwurfe durchführen. Problematischer Weise kann es bei falscher, ungeübter Wurftechnik schnell dazu kommen, dass die  Schnur sich zu weit abwickelt und der Köder lediglich ein paar Meter weit entfernt im Wasser aufkommt was zu ärgerlichen Schnur knäulen führen kann.

Kapselrolle:

Die Kapselrolle findet sich mittlerweile nichtmehr so häufig und besetzt besten Falls einen Nischenmarkt in Deutschland. Bei ihr ist die Spule von einer abnehmbaren Kapsel geschützt, was sie vor Umwelteinflüssen wie Schmutz und Wasser schützen soll. Die Meinung bezüglich Kapselrollen sind geteilt. Die einen halten sie für ein genial einfaches und robustes Rollensystem. Die anderen prangern das häufig höhere Gewicht und immer wieder vorkommenden Schnursalat unter der Kapsel an.

Fliegenrolle:

Bild einer Fliegenrolle

Da Fliegenfischen sich grundlegend von anderen Angelvarianten unterscheidet, soll an dieser Stelle nur kurz auf dieser spezielle Form der Angelrolle eingegangen werden. Fliegenrollen sind von der Konstruktion her sehr einfach und simpel gehalten. Komplexe Mechanik und Getriebesysteme sucht man vergeblich. Eine Fliegenrolle besteht in der Regel aus wenigen Einzelteilen, was den Vorteil einer sehr leichten Wartung beinhaltet.

Wie bei anderen Rollen-Typen unterschieden sich Fliegenrollen in verschiedenen Charakteristika:

Es gibt einfache Fliegenrollen mit kleinem Rollenkern, der bei großen Schnurfassungsvermögen trotzdem einen kleinen Durchmesser der Rolle gewährleistet. Außerdem gibt es sog. Großkernrollen die durch den größeren Kerndurchmesser ein schnelleres Schnureinholen ermöglicht.