Karpfenangeln

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Kapitaler Karpfen

Dieser begehrte Friedfisch zeigt sich dem Angler oft schon vor dem Angelgang an der Wasseroberfläche – das ist natürlich verlockend. Außerdem gilt er als einer der stärksten und ausdauerndsten Kämpfer im Süßwasser. Dabei nimmt er sich oft viele Meter Schnur von der Rolle. Ein Drill kann so leicht eine Viertelstunde dauern, was dem Angler Vergnügen pur verspricht; nicht selten gekrönt von einem Prachtexemplar, dass man anschließend im Wiegesackwiegt. Wohl deshalb ist der Karpfen einer der beliebtesten Fische bei Europas Anglern.

Fangplätze

Beheimatet in fast allen wärmeren Gewässern, tummeln sich Karpfen in Seen und Teichen ebenso gern wie in Flüssen und Kanälen. In Deutschland sind sie in allen großen Flüssen zu finden – von Oder und Elbe bis Mosel, Neckar oder Rhein.
Daher können Sie Ihr Anglerglück an allen Gewässern versuchen, die nicht zu kalt sind – selbst am kleinsten See. Für Anfänger ist das sogar empfehlenswert. Denn je größer das Gewässer, desto größere Vertreter sind zu erwarten, was das Karpfenangeln entsprechend schwieriger gestaltet. Ebenso verhält es sich mit Gewässern, die als Geheimtipp gehandelt werden. Oft sind sie inzwischen stark frequentiert, womit das Karpfenangeln dort erschwert wird.
Eine alte Anglerregel besagt: Wo Seerosen wachsen, wachsen auch Karpfen. Halten Sie Ausschau, ob sich die beliebten Fische an der Oberfläche wälzen, buckeln oder springen. In Fließgewässern sind sie nicht so leicht zu entdecken. Am vielversprechendsten sind hier alte Flussarme und Einläufe kleinerer Nebenflüsse oder Bäche.

Geeignete Ausrüstung

Die zum Karpfenangeln verwendete Rute sollte drei bis vier Meter lang und nicht zu hart sein, weil sonst die Gefahr droht, der Haken schlitzt beim Drillen das weiche Maul des Karpfens aus.
Sie sollten eine robuste Freilaufrolle nutzen, die mindestens 200 Meter kräftige Schnur fasst. Verwendet werden meist Wurfgewichte zwischen 40 und 100 Gramm. Beim Angeln in hindernisfreien Gewässern mit Bleigewichten bis etwa 80 Gramm empfehlen sich Schnurdurchmesser von 0,28 bis 0,3 Millimetern. Wollen Sie höhere Bleigewichte werfen oder in hindernisreichen Gewässern angeln, wählen Sie entsprechend stärkere Schnüre, wobei geflochtene Schnüre flexibler sind und bei gleichem Durchmesser eine höhere Tragkraft aufweisen.
Welche Hakenform Sie auswählen, bleibt Ihnen überlassen. Hauptsache der Haken ist stark und scharf. Empfohlen werden Hakenstärken zwischen 1 und 6, da kapitale Exemplare keine Seltenheit sind. Dementsprechend sollte auch der Kescher nicht zu klein ausgelegt sein. Mit einer Bügellänge von etwa einem Meter dürften Sie für jeden Fang gerüstet sein.
Zum Karpfenangeln werden häufig Montagen genutzt, bei denen sich der Köder nicht auf dem Haken, sondern unterhalb desselben findet, die sogenannte Haar-Montage. Der Karpfen hat so Gelegenheit, den Köder mehrfach anzusaugen, ohne Verdacht zu schöpfen.
Optische Bissanzeiger – wie Swinger oder Affenkletterer – sind auf jeden Fall empfehlenswert. Viele Angler nutzen inzwischen elektronische Bissanzeiger, damit sie ihre Rute nicht ständig im Blick haben müssen. Gerne werden auch Rutengestelle eingesetzt.

Schmackhafter Köder

Karpfen sind keine Kostverächter. Sie gehen auf die unterschiedlichsten Köder (Mais, Erbsen, Pellets und andere); bevorzugen aber große, weiche Köder. Durchgesetzt haben sich beim Karpfenangeln hauptsächlich Boilies, die in großer Auswahl im Fachhandel angeboten werden. Der unschätzbare Vorteil dieser Teigkugeln: Sie halten dem Wasser lange stand. Erfindungsreiche Angler erreichen denselben Effekt, indem sie ihren Köder – beispielsweise Brötchen – einfrieren und erst kurz vor dem Angelgang auftauen.
Empfehlenswert ist das Anfüttern an zwei bis drei ausreichend weit voneinander entfernten, unterschiedlich gearteten Plätzen. Finden Sie das Futter nach einiger Zeit noch vor, verspricht dieser Angelplatz wenig Erfolg und Sie wählen besser einen aussichtsreicheren. Übrigens suchen einige Routiniers ihr Glück beim Karpfenangeln nicht in der Ferne, sondern gehen in Ufernähe auf den begehrten Friedfisch. Da der Karpfen hier nicht zig Meter Schnur hat wie beim Biss im tiefen Wasser, steigt die Chance selbst große Exemplare nicht zu verlieren.

Angebissen

Schneller Schnurabzug lässt immer einen Karpfenbiss vermuten. In diesem Fall sollten Sie mit einem Anhieb reagieren, der deutlich aber nicht zu kräftig ausfällt. Anders verfahren Sie bei einem so genannten „Fallbiss“. Anzeichen sind ein herunterfallender Bissanzeiger und die schlaff werdende Schnur. Ihre Beute ist also in Richtung Ufer unterwegs, weshalb Sie zunächst schnell die Schnur einholen müssen. Ziehen Sie erst an, wenn Sie Kontakt zum Fisch spüren.
In beiden Fällen gilt: Ruhe bewahren und dem Karpfen Schnur geben. Karpfen entwickeln auf der Flucht viel Kraft. Eine im Verlauf des Drills richtig eingesetzte Schnurbremse kann den Bruch der Schnur oder das Herausreißen des Hakens und damit den Verlust des Fangs verhindern.